Veronika Weinseis

Rezension zu "Rauer Glanz" von Vinachia Burke

RauerGlanzReziVignette
5/5

Fantasy mal anders

(spoilerfrei)

Rauer Glanz von Vinachia Burke ist ein Buch, das mich gerade deswegen gefesselt hat, weil es keine klassischen Fantasy-Elemente hat – weder Magie noch übernatürliche Kreaturen. Was es allerdings hat, ist ein spannendes Setting in einer uns fremden Welt, die zwischen Mittelalter und Industrialisierung steckt. Und tiefgründige Charaktere, mitreißende, unglaublich gut geschriebene Dialoge und einen spannenden Plot, der ohne  Verlegenheits-Action-Szenen auskommt.

Ich bin übersättigt von klassischer Fantasy. Elfen, Drachen, von einer Prophezeiung angekündigte Helden… das alles kann ich nicht mehr sehen. Deswegen war „Rauer Glanz“ ein Buch, auf das ich mich wirklich gefreut habe. Es wird als historische/psychologische Fantasy deklariert: Fantasy also, die seinen Fokus auf die Figuren und deren innere Konflikte legt. Somit ist die Geschwindigkeit der Geschichte anfangs gesetzter, um dem Leser nicht nur einen Eindruck der fremden Welt und des Ausgangsproblems zu geben, sondern auch die sechs Perspektiven-Figuren einzuführen.

Vinachia hat sechs so unterschiedliche, authentische und tiefgründige Figuren entwickelt, dass es eine wahre Freude war, ihnen auf ihre Abenteuer zu folgen. Jeder von ihnen hat seine ganz individuellen Stärken und Schwächen, die durch ihre starke Ausprägung und Thematisierung richtig Leben in die Figuren und Geschichte bringen. Nicht jeder davon ist für mich ein Sympathieträger, aber ich denke, das für jeden Leser mindestens eine besonders liebenswerte Figur dabei ist – und finde es auch gar nicht schlimm, dass ich nicht jeden davon bereits in Band 1 mag.

Die Dialoge im Buch sind ein wahrer Augenschmauß. Besonders die frühen Gespräche zwischen der Konsulin Varlow und ihrem General haben mich mehrfach innehalten lassen, weil ich sie so genossen habe. Wir begleiten in Rauer Glanz drei junge/unerfahrene Herrscher: Den König und einen Landesherrn vom Land Ronland sowie die Konsulin des Nachbarlandes Matrienna. Die drei sind jedoch so unterschiedlich, nicht nur in ihrer Art, Herrschaftsbelange zu regeln, sondern auch charakterlich, dass man sich kaum entscheiden kann, wem man im nächsten Kapitel am liebsten weiter folgen möchte. Die übrigen 3 Figuren sind in ihrer Ausarbeitung sowie ihrem Beruf so unterschiedlich, dass man durch sie alle ein sehr gutes Bild der Welt bekommt.

Dass das Buch bis zum „Endkampf“ ohne große Action-Szenen auskommt, empfinde ich als große Stärke, denn es ist deutlich schwieriger, spannende Momente ohne Action zu erschaffen -und das hat Vinachia geschafft. Ich habe oft genug mitgefiebert, wenn es „nur“ um Gespräche zwischen Figuren ging. Vor allem ihr König Moran hat mir nicht nur eine Menge Befriedigung mit seinen frechen, provokanten und selbstbewussten Kommentaren gebracht, sondern hat oft genug dafür gesorgt, dass ich laut lachend über dem Buch saß.

Das Ende ist dann noch einmal ein echter Paukenschlag mit allerhand Wendungen und während das erste Gefühl, das mich nach dem Beenden des Buches erfasst hat, ein niedergeschlagenes war, so freue ich mich umso mehr, den Aufstieg mancher Figuren in Band 2 zu erleben.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der mal weg von den ausgetretenen Wegen der Fantasy hin zu etwas Neuem und Spannendem ohne stupides Gemetzel möchte.

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